Als Schüler habe ich mit 16 einen Tanzkurs gemacht. Eigentlich nur deswegen, weil meine Eltern dagegen und alle meine Klassenkameraden dabei waren.
Der Kurs fand in einer berühmten Tanzschule im Münchner Zentrum statt, war steif und langweilig.
Am meisten hat mich war der erste Abend beeindruckt. Die Mädels saßen auf der einen Seite des Saales und wir Jungs gegenüber. Ich war in einer reinen Jungenschule, also kannten wir die andere Seite gar nicht. Und dann kam von der Tanzlehrerin das Signal, jemand aufzufordern. Einige auf meiner Seite schossen los wie bei den Bundesjugendspielen, kamen auf dem Parkett ins Trudeln und landeten dann in Verneigungshaltung auf den Knien vor der Dame ihrer Wahl. Ich war erheblich langsamer, aber eine Tanzpartnerin war natürlich trotzdem für mich da.
Nach dem Kurs habe ich alles ganz schnell und gründlich vergessen. Tanzen hieß damals, wir schrieben Mitte der swinging 60ies, zu Rockmusik einzeln herumzutoben. Und wenn sich mal doch jemand beim Stehblues in eine geschlossene Tanzhaltung verirrte, hatte er ganz andere Absichten als Tanzen.
Viele viele Jahre später, auf der Hochzeit eines Cousins, forderte mich meine Tante zum Wiener Walzer auf. Es endete in einer der peinlichsten Situationen meines Lebens. Ich hatte keine Ahnung, sie führte mich natürlich und ich torkelte irgendwie über die Tanzfläche. Daraus entstand eine starke Motivation, das besser zu können. Doch erst Mal siegte der Anti-Tanz-Schweinehund und wieder vergingen etliche Jahre. Dann war ich kurze Zeit mit meiner damaligen Freundin bei einem Verein und erstaunt, wie locker Tanzunterricht sein konnte. Doch wir zankten uns häufig, trennten uns und aus war's mit der eben begonnenen Tänzerkarriere. Und nach nochmal etlichen Jahren (ja, für manches brauche ich lange...) gab der japanische Film "Shall w dance" den Ausschlag mit dem Tanzen wieder anzufangen. Ich ging mit meiner damaligen Frau, die schon lange tanzen wollte, wieder zu einem Schnupper-Nachmittag. Wir lernten in 2-3 Stunden die Grundschritte von 4 oder 5 Tänzen und dann ging's los und seitdem habe ich mit Tanzen auch nicht mehr aufgehört.
Ich tanze alle Gesellschaftstänze, habe auch einige Jahre Tango argentino und ein bisschen Salsa getanzt. 2004 bekamen wir das Angebot bei der Tanzschule, bei der wir trainierten, Anfüägerkurse zu leiten.
Im Herbst 2005 gründete ich mit anderen die Abteilung Gesellschaftstanz bei unserem örtlichen Sportverein und bin seitdem Leiter der Abteilung und (mit einer Partnerin) Tanztrainer.
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